Serie: Aufsteckblitz | Teil 2 von 6

Du hast deinen Aufsteckblitz jetzt öfter dabei, vielleicht sogar schon ein paar Mal ausprobiert. Und dann stehst du vor dem Menü deines Blitzgeräts und es schaut aus wie das Cockpit eines Flugzeugs: TTL, M, GN, Zoom, Multi… Was von alldem brauchst du wirklich, und was kannst du getrost ignorieren? Genau darum geht es in diesem Kapitel. Wir räumen auf mit den wichtigsten Einstellungen – verständlich, praxisnah, und ohne, dass du dafür ein Elektrotechnik-Studium brauchst.

Aufsteckblitz Display TTL und Manuell Modus im Vergleich mit Blitz-Belichtungskorrektur

TTL – der Autopilot am Blitzschuh

TTL steht für „Through The Lens“ – die Kamera misst das Licht direkt durch das Objektiv, inklusive eines kaum wahrnehmbaren Vorblitzes, und errechnet daraus in Sekundenbruchteilen die passende Blitzleistung. Klingt kompliziert, ist aber im Alltag genau das Gegenteil: Du drückst ab, und Kamera und Blitz einigen sich ohne dein Zutun auf eine vernünftige Belichtung.

Das macht TTL zur ersten Wahl, wenn sich die Situation ständig ändert – bei Events etwa, wenn sich Abstand zum Motiv und Hintergrund von Foto zu Foto unterscheiden. Du hast schlicht keine Zeit, vor jedem Bild neu die Blitzleistung einzustellen. Der Nachteil: TTL ist von einigen Parametern abhängig und keine Garantie für sofortige perfekte Ergebnisse. Bei ungewöhnlichen Motiven – sehr helle oder sehr dunkle Flächen, Gegenlicht, reflektierende Oberflächen – kann die Automatik manchmal danebenliegen. Dazu gleich mehr.

Manuell – volle Kontrolle, kein Rätselraten

Im manuellen Modus (M) legst du die Blitzleistung selbst fest, meist in Stufen von 1/1 (volle Leistung) bis hinunter zu 1/128 oder noch weniger. Kein Vorblitz, keine Messung, keine Überraschung – die Leistung bleibt immer exakt gleich, bis du die Einstellung änderst.

Der Vorteil zeigt sich, sobald sich deine Situation nicht ständig verändert: Ein Portrait-Setup, bei dem Motiv und Blitz eine feste Distanz (!) zueinander haben. Ein Produktfoto zuhause vom Stativ. Eine Studiosituation mit gleichbleibendem Licht (entfesselte Blitze – Teil 5 dieser Serie). Einmal eingestellt, bekommst du Bild für Bild dieselbe Belichtung – ideal, wenn du mehrere Aufnahmen exakt vergleichbar haben willst. Der Haken: Sobald sich der Abstand zum Motiv ändert oder du Blende oder ISO verstellst, musst du selbst nachjustieren. Das ist kein Nachteil im eigentlichen Sinn – es ist einfach der Preis für echte Kontrolle.

TTL vs. Manuell – kurz und bündig

  • TTL: Automatik, schnelle Reaktion, ideal bei wechselnden Situationen (Events, Reportage)
  • Manuell: volle Kontrolle, konstante Ergebnisse, ideal bei gleichbleibendem Setup (Portrait, Produkt, Studio)
  • TTL braucht Vorblitz-Kommunikation zwischen Kamera und Blitz – muss von Kamera und Blitz unterstützt werden. Ist markenspezifisch.
  • Manuell funktioniert mit jedem Blitz über den Mittenkontakt, unabhängig vom Kamerahersteller
Aufsteckblitz Bedienfeld Manuell Modus M mit Blitzleistung 1/8 eingestellt

Blitzbelichtungskorrektur – wenn TTL danebenliegt

Weil TTL nur eine Annäherung ist, brauchst du ein Werkzeug, um korrigieren zu können – die Blitzbelichtungskorrektur. Sie funktioniert wie die normale Belichtungskorrektur deiner Kamera, wirkt aber ausschließlich auf die Blitzleistung, nicht auf die Umgebungsbelichtung!

Abhängig vom Motiv und der eingestellten Belichtungsmessmethode kann es zu Fehlbelichtungen beim Blitz kommen (z.B. Motiv „überblitzt“). Da hilft dann die Blitzbelichtungskorrektur: minus, wenn dir das Ergebnis zu hell vorkommt, plus, wenn es zu dunkel ist. Meist reichen ein bis zwei Drittel-Stufen, um den Unterschied deutlich zu sehen und für ein deutlich harmonischeres Ergebnis.

Die Belichtungsmessmethode deiner Kamera mischt mit

Ein Punkt, der gerne übersehen wird: TTL misst nicht isoliert, sondern nutzt dieselbe Belichtungsmessmethode, die du für die Kamera eingestellt hast – Mehrfeld- bzw. Matrixmessung, mittenbetonte Messung, Spotmessung oder Gesichtspriorität bei vielen modernen spiegellosen Kameras.

Stellst du auf Spotmessung und dein Messpunkt landet zufällig auf einer sehr hellen oder sehr dunklen Stelle, überträgt sich dieser Fehler direkt auf die TTL-Blitzberechnung – und du wunderst dich, warum das Ergebnis so gar nicht passt. Für die meisten Alltagssituationen mit Blitz ist die Mehrfeld- bzw. Matrixmessung die verlässlichste Wahl, weil sie das gesamte Bild berücksichtigt. Fotografierst du gezielt Personen, ist Gesichtspriorität – sofern deine Kamera das unterstützt – oft die bessere Option, weil das Gesicht dann bevorzugt korrekt belichtet wird, selbst wenn der Rest der Szene hell oder dunkel ist.

Aufsteckblitz TTL Modus mit Blitz-Belichtungskorrektur plus 0.7

Leitzahl – eine Zahl mit Geschichte

Die Leitzahl (kurz GN) taucht in jedem Datenblatt auf: Leitzahl geteilt durch Blende ergibt bei ISO 100 die maximale Reichweite, bei der der Blitz mit voller Leistung noch korrekt belichtet.

In der Praxis bleibt davon nicht viel mehr als ein grober Anhaltspunkt für die Leistungsklasse eines Geräts – der Zoom-Reflektor (dazu gleich mehr) verändert die Leitzahl je nach Einstellung, und Herstellerangaben beziehen sich meist auf die stärkste Position.

Wie verhält sich das zu den Wattsekunden (Ws), die bei Studioblitzen üblich sind? Wattsekunden geben die tatsächlich abgegebene Energie an – unabhängig davon, wie stark das Licht gebündelt wird. Die Leitzahl hingegen hängt zusätzlich vom Abstrahlwinkel des Reflektors ab: Ein enger gebündelter Blitz erreicht eine höhere Leitzahl bei gleicher Energie, weil das Licht konzentrierter austritt. Ein direkter Umrechnungsfaktor zwischen GN und Ws existiert deshalb nicht – die beiden Werte messen im Grunde unterschiedliche Dinge. Als Faustregel gilt trotzdem: Je höher die Leitzahl bzw. je mehr Wattsekunden, desto mehr Power steht dir zur Verfügung.

Der Zoom-Reflektor – dein Blitz passt sich an

Die meisten Aufsteckblitze besitzen einen motorisierten Zoom-Reflektor, der den Abstrahlwinkel an die Brennweite deines Objektivs und somit den Bildausschnitt anpasst. Im Automatikmodus des Blitzreflektors wird die Bündelung des Lichtes an die Brennweite des Objektives angepasst. Blitzt du mit einem Weitwinkel, streut der Reflektor das Licht breiter, um das gesamte Bildfeld auszuleuchten. Wechselst du auf ein Teleobjektiv, bündelt der Reflektor das Licht stärker – logisch, denn ein schmaler Bildausschnitt braucht kein breit gestreutes Licht.

Manchmal lohnt sich aber der manuelle Eingriff: Willst du zum Beispiel bewusst breiter blitzen, etwa um eine Wand oder Decke großflächig für indirektes Licht zu nutzen, stellst du den Zoom-Wert händisch niedriger als die tatsächliche Brennweite – so bekommst du mehr Streuung und damit weicheres Licht.

Stroboskop – nicht Dauerlicht, sondern viele Blitze in einer Belichtung

Kaum eine Funktion sorgt für so viel Verwirrung wie der Stroboskop-Modus (Multi-Modus). Der Name legt nahe, der Blitz würde wie eine Discokugel dauerhaft flackern – tatsächlich passiert etwas anderes: Innerhalb einer einzigen, länger dauernden Belichtung löst der Blitz mehrere Male in schneller Folge aus. Das Ergebnis ist ein einziges Foto mit mehreren „eingefrorenen“ Momenten desselben bewegten Motivs.

Du stellst dabei zwei Werte ein: die Frequenz (wie viele Blitze pro Sekunde, meist in Hz angegeben) und die Anzahl der Blitze insgesamt. Klassische Anwendung: eine Golfschwung- oder Tanzbewegung, bei der du die einzelnen Phasen der Bewegung nebeneinander im selben Bild sehen willst. Damit das funktioniert, brauchst du einen abgedunkelten Raum und eine entsprechend lange Verschlusszeit – sonst überlagern sich die Belichtungen zu einem unscharfen Durcheinander statt sauber getrennter Momentaufnahmen. Für den Alltag ist Stroboskop eher ein Setting für kreative Experimente als ein Werkzeug, das du ständig brauchst.

Praxis-Tipp: Welcher Modus für welche Situation?

  • Event, Hochzeit, schnelle Situationen → TTL, bei Bedarf mit Blitzbelichtungskorrektur nachjustieren
  • Portrait mit festem Abstand, Studio-Setup → Manuell, einmal einmessen, dann konstant nutzen
  • Personen vor hellem/dunklem Hintergrund → TTL plus Belichtungskorrektur, Messmethode auf Matrix oder Gesichtspriorität
  • Bewegungsablauf in einem Bild festhalten → Stroboskop, manuelle Leistung, abgedunkelter Raum, lange Verschlusszeit
Zoom Reflektor Aufsteckblitz Lichtverteilung bei 20mm 35mm 70mm 105mm

Blende, ISO und Blitzleistung im Zusammenspiel

Bei reinem Umgebungslicht kennst du das Belichtungsdreieck: Blende, Verschlusszeit und ISO wirken zusammen. Sobald ein Blitz ins Spiel kommt, ändert sich die Rollenverteilung. Blende und ISO beeinflussen weiterhin, wie hell dein Blitzlicht im Bild ankommt – eine geschlossenere Blende oder eine niedrigere ISO bedeuten, dass mehr Blitzleistung nötig ist, um dieselbe Helligkeit zu erreichen, und umgekehrt. Ganz genau wie beim Umgebungslicht.

Die Verschlusszeit dagegen spielt für die Blitzhelligkeit selbst kaum eine Rolle – sie bestimmt nur, wie viel vom vorhandenen Umgebungslicht zusätzlich mit einbelichtet wird. Eine längere Verschlusszeit lässt mehr Umgebungslicht einfließen, ohne dass sich dadurch dein Motiv, das durch den Blitz beleuchtet wird, groß verändert. Das ist ein Grundprinzip, das dir in Teil 4 dieser Serie, wenn wir Blitz und Umgebungslicht gezielt kombinieren, noch richtig nützlich sein wird.

Blitzsynchronzeit – die unsichtbare Grenze deines Verschlusses

Und damit sind wir bei einem Punkt, der viele überrascht: Es gibt eine Grenze, wie kurz deine Verschlusszeit sein darf, wenn du blitzt – die Blitzsynchronzeit, typisch irgendwo zwischen 1/125 und 1/250 Sekunde, je nach deinem Kameramodell. Der Grund liegt im mechanischen Aufbau der meisten Verschlüsse: Zwei Vorhänge laufen nacheinander über den Sensor. Bei längeren Verschlusszeiten öffnet der erste Vorhang komplett, bevor der zweite zu schließen beginnt – der Sensor ist für einen Moment vollständig frei, und genau in diesem Moment kann der Blitz auslösen und das gesamte (!) Bild belichten.

Stellst du eine kürzere Verschlusszeit als die Synchronzeit ein (z.B. 1/500 Sekunde), überlappen sich die beiden Vorhänge – es huscht nur ein schmaler Schlitz über den Sensor. Der Blitz, der nur einen winzigen Sekundenbruchteil dauert, beleuchtet dann bloß den Teil des Bildes, der in diesem Moment gerade frei liegt. Das Ergebnis: ein schwarzer Balken über dem Bild, dort wo der Verschluss noch geschlossen war. Manche moderne Kameras mit elektronischem Verschluss oder Global-Shutter-Sensoren umgehen diese Beschränkung – wie genau das funktioniert und wie du mit High Speed Sync (HSS) trotzdem kürzere Zeiten nutzen kannst, erfährst du im letzten Teil dieser Serie.

Blitzsynchronzeit Demonstration Aufsteckblitz – korrekte Belichtung bei 1/200 Sek vs. schwarze Streifen ab 1/250 Sek

Was du aus diesem Kapitel mitnehmen solltest

TTL und Manuell sind keine Gegner, sondern zwei Werkzeuge für unterschiedliche Situationen. Die Blitzbelichtungskorrektur ist dein wichtigster Handgriff, wenn TTL danebenliegt, und die Wahl der Belichtungsmessmethode spielt dabei kräftig mit. Der Zoom-Reflektor legt fest, wie weit und wie breit dein Blitz sein Licht verteilt, Stroboskop ist ein kreatives Extra für besondere Anlässe – und die Blitzsynchronzeit ist die eine technische Grenze, die du kennen musst, bevor wir in Teil 5 und 6 richtig in die Tiefe gehen.

Du musst dir das nicht alles auf einmal merken. Probiere es aus, mach ein paar Testfotos in jedem Modus, und du wirst merken: Nach einer Handvoll Versuche bekommst du ein Gefühl dafür und musst nicht mehr so konzentriert darüber nachdenken – dann beginnt der Spaß an der Blitzfotografie.


Über den Autor

Robert Pichler ist Produkt- und Werbefotograf, Speaker, Autor und international ausgestellter Fotokünstler. Weiters unterrichtet er als Dozent an der FH Wien und betreibt seit über 15 Jahren seine Lightbox Academy für hochqualitative und praxisintensive Fotografie Kurse und vollumfängliche Diplomausbildungen.
www.instagram.com/robertpichler.eu

Lightbox Academy: www.lightbox-academy.at
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