Die Frage nach der Kalibrierung eines Monitors kommt in meinen Kursen und Lehrgängen immer wieder hoch, spätestens wenn gedruckt wird. Daher habe ich hier ein paar Grundlagen zusammengefasst um ein bisschen einen Überblick über das Thema zu geben. Wie immer in der Fotografie gilt hier aber auch “es kommt drauf an…” – d.h. es gibt keine Allzweck-Lösung für jeden und man sollte isch individuell die beste Lösung heraussuchen. Wenn du dazu Hilfe benötigst, dann melde dich gerne bei mir.
Jedes Gerät in der Fotografie (Kamera, Monitor, Drucker, Scanner,etc…) wird zwar so gut es geht vom Hersteller so entworfen, dass Abweichung von Gerät zu Gerät möglichst klein bleiben – aber durch Streuungen und Toleranzen im Produktionsprozess gibt es defacto nie zwei exakt gleiche Geräte.
Das trifft natürlich auch Monitore und Displays. Zusätzlich zu Herstellungstoleranzen kommen dann aber auch noch Temperaturschwankungen und Alterung. Bei Monitoren kann das bedeuten, dass sich die Farbdarstellung im Laufe der Zeit verändert und Farbfehler oder farbstiche entstehen können. Auch die Helligkeit kann im Laufe der Zeit abnehmen. Bei der Produktion ist es auch relevant, wie gleichmäßig die Monitorfläche ausgeleuchtet ist – der Monitor kann wunderbare Messwerte in der Mitte des Bildschrims haben, aber gegen den Rand hin z.b. in Helligkeit oder Farbe teilweise stark abweichen.
Gewisse Fehler lassen sich durch Kalibrierung korrigieren, aber z.b. Randabdunkelungen oder ähnliches lässt sich durch die Kalibrierung auch nicht korrigieren. Dazu ist die Auswahl des Monitors der entscheidende Faktor. Qualitativ hochwerte Grafik-/Bildbearbeitungsmonitore haben daher neben einer Hardwarekalibrierung (siehe unten) auch besonders ausgesuchte Bildschrim-Panele. Das bedeutet, dass die besten Bildschirm-Panele nochmals individuell gemessen werden und nur die mit den geringsten Abweichungen werden dann in den High-End Geräten verbaut. Damit kann man dann die Abweichungen so minimal wie nur möglich halten – das hat aber natürlich aufgrund des Aufwandes seinen Preis.
Ist das für Fotograf*innen nun zwingend nötig? Nein, aber…. es kommt halt drauf an 😉
Wir wissen nun, dass Monitore sowohl farblich als auch was die Helligkeit angeht nicht unbedingt korrekt darstellen. Ist das überhaupt so wichtig?
In der Fotografie ist der Monitor und eine möglichst akkurate Darstellung essentiell, da ein Foto Bilddaten enthält, und wenn der Monitor selbst Farben und Helligkeiten fehlerhaft anzeigt dann ist eine Bearbeitung nicht wirklich sinnvoll möglich. Wenn ich das Foto ‘nicht richtig’ angezeigt bekomme, dann kann ich mich auf meine Bearbeitung natürlich auch nicht verlassen!
Als Beispiel: Der Monitor hat einen bläulichen Farbstich. Ich sehe daher bei der Bearbeitung das Foto leicht bläuclich dargestellt und vermute daher, dass z.b. der Weißabgleich bei der Aufnahme vielleicht leicht daneben war – Fazit: Ich versuche den blauen Farbstich zu korrigieren indem ich den Weißabgleich in Richtung Gelb verschiebe. Was ist das Ergebnis? Auf einem kalibrierten Monitor wird das Bild gelblich angezeigt, auf einem Drucker mit korrektem Farbmanagement wird der Druck entsprechend auch mit einem gelben Farbstich im Druck erscheinen.
Oder auch der typische Fall: Der Monitor ist zu hell eingestellt und im Druck erscheint das Bild dann düster und dumpf. Ein klarer Fall, das Bild wird am Monitor heller angezeigt als in den Daten drinnen steht – man bearbeitet es dunkler und diese dunklen Daten werden dann korrekt gedruckt -> zu dunkler Print.
Ist nun die Kalibrierung DIE Lösung aller Farb- und Helligkeitsprobleme?
…das kommt drauf an.
Aber ja, natürlich ist eine saubere Kalibrierung des Bildschirms ein sehr guter Anfang für gutes Farbmanagement.
Um die Fehler, die der Monitor hat zu korrigieren werden dem Bildschirmpanel im wesentlichen falsche Daten gesendet die sich mit den Fehlern des Panels aufheben. D.h. wenn wie in unserem Beispiel das Panel einen Blaustich hat, wird vereinfacht ein bereits leicht gelbliches Signal zum Bildschirm gesendet und die Anzeige entspricht dann den tatsächlichen Farben, die im Foto enthalten sind. Das ist natürlich jetzt sehr vereinfacht, aber als Grundprinzip vorerst fürs Verständnis ausreichend.
Das bedeutet aber, dass man für so eine Korrektur wissen muss, wie sehr der Bildschirm bei verschiedenen Farben und Helligkeiten von der Norm abweicht. Um dies festzustellen kommt ein geeignetes Farbmessgerät (Colorimeter) zum Einsatz.
Über eine Software werden auf dem Monitor dann verschieden helle und farbige Farbflöchen dargestellt und jede dieser Flächen dann automatisch mit dem Messgerät vermessen. Die Software erstellt dann für jedes dieser Farbfelder entsprechende Korrekturwerte, je nachdem wie weit der Monitor vom Soll-Wert abweicht.
Und je nachdem, ob es sich um eine Softwarekalibrierung oder Hardwarekalibrierung handelt werden diese Korrekturwerte in einem .icc-Profil gespeichert (softwareseitige Kalibrierung) oder direkt im Monitor gespeichert und in Zukunft verarbeitet(Hardwarekalibrierung).
Ob eine Software- oder Hardwarekalibrierung stattfindet, hängt vom verwendeten Monitor ab. Eine hardwareseitige Kalibrierung erfordert zwingend einen Monitor, der diese Funktion unterstützt!
Entsprechende Monitore sind meist die Top Geräte der jeweiligen Hersteller und haben manchmal sogar die notwendigen Messgeräte bereits eingebaut. Das wirkt sich natürlich entsprechend auf den Preis aus, gewährleistet aber die höchste Bequemlcihkeit (automatische Kalibraion) und Präzision.
Wodurch entsteht diese höhere Präzison?
Hardwarekalibrierte Monitore speichern die Korrekturdaten in sogenannten LUT (Look-Up-Tables) intern ab – d.h. die Grafikkarte des Computers sendet die Fotodaten ohne eine Veränderung an den Monitor, der Bildschirm macht dann intern die eigene Korrektur. Dies geschieht mit einer weitaus höheren Detailtreue als es die Grafikkarte des Computers überhaupt kann.
Softwarekalibrierung=Grafikkarte-> Standard 8-bit (nur 256 Stufen!) bis max. 10bit (10 bit ergeben 1024 Helligkeitsstufen pro Farbkanal)
Hardwarekalibrierung -> bis zu 16 bit (das sind dann 65,536 Helligkeitsstufen pro Kanal!)
Daran erkennt man die deutlich, deutlich höhere Korrekturpräzision eines hardwarekalibrierten Monitors.
Nun, das kommt wiedermal drauf an… 🙂
Ob eine Kalibrierung möglich ist, hängt primär vom Gerät ab. Bei Computern mit angeschlossenen Bildschrimen ist im Normalfall eine Kalibrierung (softwareseitig über die Grafikkarte) möglich.
Dabei ist entscheidend, ob im Betriebssystem eine Möglichkeit besteht .icc Profile zu nutzen und zu erstellen und ob die Software des Messgerätes das Gerät unterstützt.
Geräte wie iPads oder Handybildschirme sind normalerweise nicht kalibrierbar. Neueste iPad Pro Geräte sind für den Farbraum P3 werkskalibriert, aber auch hier ist keine echte Kalibrierung möglich. Deren Software erlaubt vielleicht die eine oder andere kleine Anpassung und Korrektur, aber keine echte Kalibrierung.
Daher sind iPads oder ähnliche Devices für farbverbindliche Arbeiten und besonders verbindlichen Druck bestenfalls nur bedingt geeignet (je nach Anspruch und Anwendung wohlgemerkt).
Kann ich einen Laptopbildschirm kalibrieren? Ja, genau wie einen Monitor an einem Standcomputer hat ein Laptop eine Grafikkarte und wenn das Betriebssystem es unterstützt ist eine Kalibrierung möglich.
Sogar Videobeamer lassen sich theoretisch kalibrieren, obgleich ein Beamer für farbverbindliches Arbeiten ungeeignet ist.
Ob eine Kalibrierung nötig ist hängt vom Einsatzzweck der Bilder ab. Wenn die Verwendung der Bilder ausschliesslich auf die Nutzung in Social Mediakanälen oder Webseiten beschränkt bleibt, dann ist eine Farbverbindlichkeit nicht so relevant. Warum? Weil jeder Betrachter das Foto auf einem anderen Gerät betrachtet und man keinen Einfluss auf die Darstellungsqualität des Empfnagsgerätes hat. Daher wird das Bild auf verschiedenen Monitoren und Bildschirmen sowieso immer anders aussehen und jede/r Betrachter*in ist die Darstellung des eigenen Gerätes ja gewohnt.
Sobald aber gedruckt werden soll, egal ob Fotobuch, Labor oder man selbst druckt, ist eine Abschätzung des Ergebnisses ohne Kalibrierung nicht möglich. Mit einem unkalibrierten Monitor nimmt der Drucken einen gewissen Glücksspielcharakter an.
Die Qualität des Ergbnisses ist aber auch vom Montiro abhängig, Ein einfacher Büromonitor lässt sich auch kalibrieren, wird aber niemals ein ähnlcihes Ergebnis bringen wie ein dafür gebauter Monitor für Bildbearbeitung Es ist auch nicht zwingend eine Frage des Preises. Highend Gaming-Monitore können ebenfalls hochpreisig sein, sind aber nicht mit einem Bildbearbeitungsmonitor vergleichbar weil sie auf andere Parameter fürs Gaming optimiert sind.
Es ist auch eine Frage, welchen Farbumfang der Monitor überhaupt darstellen kann.
Die besten Kalibrierung nützt nur bedingt etwas, wenn der Monitor einen eingeschränkten Farbumfang hat. Das wird üblciherweise in xx% sRGB oder xx%AdobeRGB angegeben. Für fotografische Anwendungen sollte der Bildschrim mindestens 100% sRGb erriechen, idealerweise knapp an 100% AdobeRGB. AdobeRGB ist ein deutlich größerer Farbraum als sRGB, das ist aber nur für bestimmte Anwendungen relevant. Rein digitale Nutzung der Bilder braucht soweiso nur sRGB.
Ich bearbeite z.B. in Photoshop meine Arbeiten immer in AdobeRGB 16-Bit. Für den Export aus CaptureOne für Web und Print wandle ich dann entsprechend auf sRGB oder AdobeRGB um – wichtig ist nur so lange es geht in der Bearbeitung möglichst viele Daten nutzen und erst im finalen Schritt auf die nötige Ausgabeformate zu wandeln. .
Beim Kalibrierungsintervall kommt es ebenfalls auf die Ansprüche an. Ich habe alle meine Monitore (vom Macbook Schirm zum Eizo CG) kalibriert. Die Kalibreirunsgsoftware ist bei mri auf ein Intervall von 4 Wochen eingestellt. Meistens überspringe ich den Prozess aber. Mein Referenzmontor ist ein Eizo CG 24″ der sich selbst automatisch alle 4 Wochen kalibriert, da mache ich dann farbverbindliche Kundenprojekte und wenn es ganz heikel ist, kalibriere ich manchmal zur Sicherheit vorher nochmal neu.
Welche Werte soll ich einstellen bei der Kalibrierung?
Das ist Material für einen gesamten weiteren Artikel und hängt auch wiederum von der Anwendung ab.
Der am meisten Probleme verursachende Fakor ist die viel zu stark eingestellte Bildschirmhelligkeit
Der Monitor sollte bei der Bildbearbeitung in einem abgedunkelten Raum ohne direkte Sonneneinstrahlung stehen und die Helligkeit sollte zwischen 80 und 120cd/m liegen. Standarmäßig sind Moitore immer deutlich heller eingestellt weil dadurch die Bildwirkung brillianter erscheint. Auch für Arbeiten mit Text etc. erscheint eine hohe Bildhelligkeit als angenehmer, für Bildbeabreitung ist das aber genau kontraproduktiv und der Grund für zu dunkel Prints. Bei meinen Apple Bildschirmen ist diese Helligkeit meistens bei ca. der halben Helligkeitseinstellung, aber das ist nur ein ganz grober Anhaltspunkt. Messen während der Kalibrierung sit natürlich vill genauer und vor allem auch reproduzierbarer.
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