Welche Fehler macht man als Fotografie Anfänger? Blog - Lightbox Academy Wien

Welche Fehler macht man als Fotografie Anfänger?

Die einfache Antwort darauf ist wahrscheinlich “zu wenige” 😉

Das mag jetzt den einen oder anderen Leser vielleicht verunsichern, aber es ist so. In unserer heutigen Leistungsgesellschaft ist das Fehler-Machen gesellschaftlich nicht anerkannt. Aber wie lernt ein Mensch? Wie lernt ein kleines Kind gehen?
Aufstehen-Umfallen-Aufstehen-Umfallen-Aufstehen und wackeln-Umfallen-Aufstehen-Gehen….

Wir Erwachsenen wollen aber immer das “Umfallen” überspringen und gleich zum Marathon-Sieg kommen. Leider wird dies auch in der Werbung (aller Art, nicht nur im Fotografiebereich) suggeriert.

Daher der erste und wichtigste Tipp beim Fotografieren lernen: traut euch Fehler zu machen und steht dazu!!

Und gleich kommt der nächste Tipp:

Nicht jeden Ratschlag kommentarlos verfolgen!! Das Internet ist voll von selbst ernannten Gurus die das große Heil versprechen und dich entweder in 3h per Webinar zum Fotogprofi machen wollen oder dir zeigen, wie du in nur 3 Tagen dauerhaft 35kg abnimmst (gesund, versteht sich). Das beides wohl eher Humbug ist ist hier offensichtlich, oft aber besser getarnt. Darum ist es wichtig, zu hinterfragen.
Es gibt keine “richtige Fotografie”, keine wirklichen Regeln (mit ein paar wenigen Ausnahmen). Aber es haben sich im Laufe der Jahre natürlich Gestaltungstipps und Bildkompositionen als Beispiel als wirkungsvoll herausgestellt. Welche man davon wie einsetzt, das ist die große Kunst des ‘eigenen Stils’.

Und die Technik spielt jetzt welche Rolle?

Die fotografische Technik (nicht mit der Ausrüstung zu verwechseln) spielt eine große Rolle. Lernen Bilder spannend zu gestalten, eine Geschichte zu erzählen benötigt Zeit UND das Sich-beschäftigen mit guten Bildern.
…und was sind gute Bilder? Nun, Bilder die einem selbst gefallen ist mal ein guter Ansatz. Mit solchen Bildern kann man sich beschäftigen und sich fragen, warum sie mir gefallen. Was haben diese Bilder vielleicht gemeinsam? Was gefällt mir daran? Warum sprechen sie mich an, welche Emotionen werden ausgelöst?

…aber jetzt kommts! Welche Ausrüstung beschert mir die besten Bilder??

Die beste Kamera bringt effektiv nix, wenn man nicht weiß was man damit tun soll. Das ist ein alter Hut werden sich viele denken, und ja, das ist völlig richtig aber die Aussage ist trotzdem gültig. Kann einem eine neue Kamera in der fotografischen Entwicklung weiterhelfen? Ja, absolut. Sie KANN, aber das passiert nicht zwingend und liegt sicher nicht im technischen Daten oder Megapixel versteckt.
Mir hat der Wechsel auf ein anderes Kamera-System (von Canon zu Fuji) eine positive Veränderung gebracht. Nicht, weil Canon schlecht war oder Fuji besser wäre, sondern weil ich mit der Bedienungsweise der neuen Kameras wieder mehr SPASS an der Sache habe. Beide Hersteller (eigentlich aktuell alle Hersteller) machen großartige Kameras. Der Wechsel war also rein subjektiv begründet, nicht sachlich. Wer sich erhofft, mit der nächsten besseren/schneller/höher-auflösenden Kamera ein besserer Fotograf zu werden wird wahrscheinlich enttäuscht.

Wie werde ich nun zum “Fotoprofi in 2h”?

Da hab ich leider schlechte Neuigkeiten – in 2h überhaupt nicht 😉
…aber es gibt Licht am Horizont!
Das TUN ist das Geheimnis. Man kann hunderte Bücher lesen, Wochenlang Youtube Tutorials anschauen, Dutzende Webinare buchen – letztendlich hilft nur das TUN und die Praxis. Ich kenne auch keinen theoretischen Hochleistungssportler oder Konzertpianisten, die ihre Fähigkeiten übers Internet erlernt haben.

Ausbildung? Sinnvoll, oder rausgeschmissenes Geld?

Tja, auch hier gilt: “Das kommt drauf an…”
Für mich hat sich bei meinem Lern-Weg in der Fotografie (und auch auf meinem vorherigen beruflichen Weg) nie die Frage “Ausbildung Ja/Nein?” gestellt!
Es war viel mehr immer ausschliesslich die Frage “WELCHE?”. Die Entscheidungskriterien waren dann immer der Praxis-Anteil. Motivierende Massen-Veranstaltungen sind cool, machen Spass und man geht hochmotiviert und gestärkt nach Hause….und das wars dann auch schon.
Hier schließt sich der Kreis, es kommt wieder zurück auf das TUN. Und TUN kann man nur Alleine (schwierig, zumindest hier sollte man sich zeitweise Feedback holen) oder geführt in kleiner Gruppe. Weil es eben wichtig ist Fehler zu machen zu können und dürfen.  Sich dafür nicht schämen zu müssen sondern die Fehler als positiv-förderlich zum eigenen Fortschritt zu sehen ist der Schlüssel zur eigenen (!) fotografischen Weiterentwicklung. Nicht bedingungsloses Nachmachen von “das gehört so, das macht man so…” Pseudo-Regeln, sondern zu lernen was für die eigene Kreativität funktioniert.
Dieser Freiraum muss auch bei Ausbildungen gegeben sein.
Wer will schon in einem Korsett und mit Krücken eingepfercht zwischen 20 Anderen laufen lernen….

Die Beitragsbilder entstanden bei einem Spezial-Workshop für Teilnehmer der Diplomlehrgänge – Tänzerin: Viktoria H.