Game of Thrones - Daenerys - FanArt - (c)RobertPichler

Wieso in RAW fotografieren?

Diese Frage wird sehr häufig gestellt. Das RAW Format benötigt doch erheblich mehr Speicherplatz auf der Speicherkarte und kann nicht direkt ohne Bearbeitung ins Labor zum Druck geschickt werden. Damit ist RAW auf den ersten Blick eher komplizierter – also wozu das ganze überhaupt?

Ein RAW Bild wird unbearbeitet gespeichert, das JPG hingegen wird in der Kamera bereits “bearbeitet”. Das soll heißen, dass das JPG Bild bereits optimiert ist, das RAW Bild – wie der Name schon sagt – die rohen, unbearbeiteten Sensordaten enthält. Das heißt nicht zwingend, dass es schlecht wäre in JPG zu fotografieren. Man muss sich einfach nur der Bedingungen im Klaren sein und ob man mit Einschränkungen in der Nachbearbeitung leben kann/möchte.
Wie schauen nun diese Einschränkungen aus?

Bit-Tiefe = Feine Nuancen in Helligkeit/Farbe

Im RAW Format werden die Helligkeitsinformationen jedes Pixels je nach Kamerasensor typisch mit 12 oder 14-Bit gespeichert.
Ein JPG hingegen wird immer in 8-Bit gespeichert (siehe Graustufenkeil im Bild links).
Was heisst das nun in der Praxis? Die Kamera verwirft beim JPG leider bereits einen Großteil der Informationen. Diese können anschliessend in der Bildbearbeitungssoftware nicht mehr rekonstruiert werden. Besonders bei starker Nachbearbeitung kommt es daher in feinen Farbverläufen/Helligkeitsverläufen manchmal zu Tonwertabstufungen (sichtbare Trennlinien im Verlauf).
8-Bit bedeutet 256 Graustufen
14-Bit sind aber 16.384  Graustufen !

Farbe / Schwarzweiß / Farbraum

In der Kamera gibt es die Einstellung für den Farbraum (sRGB oder AdobeRGB).
Vereinfacht gilt: AdobeRGB ist größer als sRGB, aber nicht zwingend die besser Wahl bei JPGs.
Die Nutzung von JPGs in der Kamera ist für die sofortige Verwendung der Bilder ohne viel Nachbearbeitung sinnvoll. Eben dort ist die Verwendung des sRGB Farbraums empfohlen da die Nutzung ja zu 99% für den Online-Bereich dient und dort sRGB quasi Standard ist. Ein Foto in AdobeRGB Farbraum im Web bringt in den allermeisten Fällen starke ungünstige Kontrast/Farbveränderungen bei der Anzeige mit sich. Das Bild sieht plötzlich ganz seltsam aus. Daher im Web immer sRGB nutzen !

Am Deutlichsten sieht man den Unterschied zwischen RAW und JPG, wenn man die Kamera in den S/W-Modus schaltet. Im gespeicherten RAW Bild ist noch immer die komplette Farbinformation enthalten Das gespeicherte JPG Bild hingegen ist schwarzweiß und kann nie wieder in ein Farbbild gewandelt werden, da die Farbinformation bereits in der Kamera verworfen wurde.

Weißabgleich

Einer der wesentlichsten Vorteile des RAW-Formates ist die Flexibilität im Weißabgleich. Der Weißabgleich wird in der Kamera eingestellt (oftmals steht die Einstellung auf AWB=Automatic White Balance) und wird somit fest in die Berechnung/Bearbeitung des JPG-Bildes einbezogen. Eine nachträgliche Veränderung und somit Farbkorrektur ist bei JPG Bildern schwierig und meist mit (drastischen) Qualitätseinbußen im Hinblick auf die Farbwiedergabe verbunden.
Das RAW Format ist hier naturgemäß viel flexibler. Bei den RAW Bildern wird die Weißabgleichseinstellung der Kamera zwar mit gespeichert, kann aber ohne Qualitätsverlust (!) nachträglich beliebig in der RAW-Bildbearbeitungssoftware verändert und angepasst werden. Für korrekte Zuordnung der Weißabgleichssettings hilft in solchen Fällen dann die Verwendung einer Graukarte/Farbkarte (dazu mehr in einem gesonderten Blog-Eintrag).

Dateigröße RAW vs. JPG

RAW Dateien sind viel größer wie JPG Fotos – warum?
Die RAW Datei beinhaltet die Helligkeitsinformation für jedes Pixel und diese muss immer gespeichert werden. Das ergibt bei hochauflösenden Kamerasensoren schon beträchtliche Datenmengen. Manche Hersteller bieten eine verlustfreie Komprimierung der RAW-Files an. Dies bringt kleinere Datenmengen auf der Speicherkarte, aber eine etwas langsamere Verarbeitung am Computer da die Datei erst entkomprimiert werden muss. Ich verwende bei meinen Fuji-Kameras diese Komprimierung – in der Praxis habe ich keinen Nachteil oder Unterschiede erkennen können.
JPG ist ein Dateiformat welches auf kleine Datenmengen spezialisiert ist, daher wird dort immer komprimiert. Wie stark diese Komprimierung ausfallen darf lässt sich einstellen. In der Kamera sind dies die Qualitätseinstellungen für die JPG-Speicherung. Je höher die Qualität, desto größer gespeicherten Bilder (Dateigröße, nicht Auflösung!).

Wann JPG, wann RAW und macht vielleicht RAW+JPG Sinn?

Nun, darauf gibt es – wie so oft in der Fotografie – keine eindeutige Antwort. Es hängt nämlich primär vom Verwendungszweck der Bilder ab.
Für meine kommerziellen Arbeiten kommt ausschliesslich das RAW Format zum Einsatz. Hier benötige ich die maximale Bildqualität, was schon mal bei einem Shootingtag 30-50Gb an Daten produzieren kann. Aber letztendlich bleiben ja in meinem Falle nur wenige Einzel-Sujets als finale Auswahl zur Bearbeitung übrig und das relativiert dann die Datenmengen wieder.
Im Sport- und Pressebereich, wo es um maximale Schnelligkeit und große Bilderzahlen geht, kann JPG absolut Sinn machen. Die richtigen Kameraeinstellungen vorausgesetzt, JPG verzeiht weniger in der Nachbearbeitung.
Für den privaten Einsatz (Urlaub, Familienfeiern, etc.) kann man (besonders mit spiegellosen Kameras, wo man das Ergebnis bereist vor der Auslösung sieht) ohne weiteres auch in JPG fotografieren.
Fuji-Fotografen haben hier zusätzlich noch eine grosse Anzahl an Film-Simulationen zur Verfügung um den Look ihrer Bilder bereits in der Kamera anzupassen. Wenn einem der Bildlook gefällt, erspart man sich damit das Nachbearbeiten der Bilder und kann diese sofort an Freunde und Familie weiterschicken oder einfach  ein Fotobuch daraus erstellen.

Bildschirm – was hat der mit JPG / RAW zu tun?

Alles, was der Kamerabildschirm (und auch der elektronische Sucher bei spiegellosen Kameras) anzeigt, beruht auf dem gerechneten JPG Bild.
Das bedeutet,  dass die Kamera immer ein JPG bild errechnet, dieses aber (je nach Einstellung) nicht speichert. Daher sehen oft die Bilder am Kameramonitor ‘besser’ aus, als sie dann im RAW Format in der Bildbearbeitungssoftware aussehen.
Ein RAW Bild verlangt z.B. immer eine Schärfung und sieht ‘unbearbeitet’ immer etwas “flau/unscharf” aus. Das JPG wird in der Kamera üblicherweise immer mehr oder weniger geschärft (je nach Einstellungen).
Daher sehen RAWs oft vermeintlich ‘schlechter’ aus, in Wahrheit sind sie aber einfach nur noch nicht fertig bearbeitet 😉
Anmerkung für Fuji-User: Die Anzeige in 100% zu Schärfebeurteilung funktioniert nur, wenn JPGs aufgezeichnet werden – bei ‘nur RAW’ ist die ANzeige auf 50% begrenzt und lässt keine wirkliche Schärfe-Beurteilung zu…
Wie dies bei anderen Kameraherstellern gehandhabt wird kann ich nicht sagen – einfach mal ausprobieren, dann wisst ihr Bescheid.

Konklusio:

Beide Bild-Typen haben ihre Berechtigung, beide haben Vor- und Nachteile. Wenn man um diese weiß, kann jeder leichter für sich das ‘richtige’ Dateiformat auswählen. Wer nicht unbedingt zu den Viel-Fotografierern gehört, der kann sich ja immer noch auf die sichere Seite schlagen und beide Formate aufzeichnen. Letztendlich ist Speicherplatz so günstig wie noch nie und für viele Anwendungen kein echtes Problem mehr.